
George Orwell ist berühmt für seine Romane “1984″ und “Animal Farm”. Aber er hat mehr als das geschrieben, Bücher, die zwar fast in Vergessenheit geraten, dennoch aber sehr lesenswert sind. Eins ist “Coming up for Air” (Deutsch: Auftauchen, um Luft zu holen).
Es ist England, kurz vor dem zweiten Weltkrieg. George, 45 Jahre alt, Versicherungsvertreter und an sich ein sehr realistischer Mensch, wird durch Zufall an seine Kindheit auf dem Dorf erinnert. Er hat eine Eingebung, zwanzig Jahre später zu diesem Dorf zurückzukehren – um mal wieder Luft zu holen (wie es im Titel heißt).
Es geht hier vor allem um Veränderung, ohne die Vergangenheit zu verklären, darüber, dass der Wunsch, “mal Luft zu holen” unerfüllt bleiben kann, da es die “Luft”, die wir atmen wollen, nicht mehr gibt. Da wir in einer Welt leben, die sich immer mehr und immer schneller ändert, ist das Buch immer noch aktuell. Und, so kurz vor dem zweiten Weltkrieg, werden auch Themen aufgegriffen, die Orwell in “1984″ voll ausgebildet hat. Der Protagonist schaut also nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft, und die Änderungen, die diese bringen wird.
Das Buch hat keinen spannenden Plot wie ein Krimi oder ein Thriller. Die ersten Zweidrittel handeln über die Kindheit, das letzte Drittel über den Besuch zwanzig Jahre später. Und dennoch war es keineswegs langweilig. Im Gegenteil: ich konnte diesen Roman kaum aus der Hand legen.
Es ist eine meisterhafte Erzählung, der ich vier Sterne gebe.

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