Die englische Küche ist ja eher berüchtigt als berühmt. Wenn man aber in einem Land unter englischem Einfluss aufgewachsen ist, kommt irgendwann mal der Tag, wo man sie vermisst: Pies. Damit meine ich Teigtaschen aus Blätterteig, gefüllt mit Hackfleisch oder Käse mit Spinat oder Schinken oder eben Chicken. Während man solche Leckereien im südlichen Afrika in jeder Imbissbude kaufen kann, sind sie hier in Deutschland nirgens zu finden.

Aber man kann sie ja selber zubereiten…

Bei dem folgenden Rezept handelt es sich aber nicht um Teigtaschen, sondern um eine Art Hühnerfrikassee mit Blätterteighaube.

Zutaten

200 g gekochter Spargel, in Stücke geschnitten
200 g gegarte Champignons, in Scheiben geschnitten
500 g gegartes Frikassee-Hühnchenfleisch
275 g TK-Blätterteich
1 geschlagenes Ei

Was Spargel und Champignons betrifft, greife ich schon mal auf Ware in Gläsern zurück. Aber selbstverständlich kann man es auch aus frischer Ware zubereiten.

Wenn kein Frikassee-Huhn verfügbar ist, nehme ich auch ein normales Hähnchen, dass ich in einer Brühe koche. Haut, Beine und Knochen werden nach dem Kochen entfernt, damit das pure Fleisch übrig bleibt. Das wird in kleine Stücke geschnitten. Ein Hähnchen liefert etwa 500 g Fleisch. Ich habe auch schon mal 3 Hühnerbrüste in 1 Liter Hühnerbrühe gar ziehen lassen und dann in Stücke geschnitten. Das gab etwa 600 g Fleisch.

Sauce

35 g Butter
35 g Mehl
320 ml Hühnerbrühe
4 Esslöffel Sahne
etwas Zitronensaft

Zubereitung

Den Ofen auf 220° C vorheizen.

Für die Sauce wird die Butter in einem Topf zerlassen. Das Mehl wird dazugegeben und zu einer cremigen Paste verrührt. Über niedrige Hitze und mit fortwährendem Rühren wird diese Mischung so lange gegart, bis sie strohgelb ist. Dann die Hitze höherdrehen und die Brühe schluckweise hinzugeben unter ständigem Rühren dazugeben bis es kocht. Die Sahne hinzugeben und die Sauce eindicken lassen. Dann den Zitronensaft hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer und evtl. etwas Worcestersauce abschmecken. Die Herdplatte ausstellen.

Das Hühnchenfleisch, Spargel und die Champignons zur Sauce dazugeben und alles verrühren.

Das ganze in eine ofenfeste Form geben. Die Form, die ich immer benutze ist 30x22x5cm groß und die Fleisch-Spargel-Champignon-Mischung füllt es etwa zur Hälfte.

Den Blätterteig ausrollen und über die Hühnerfüllung legen. Die Seiten abschneiden und zur Deko benutzen. Ein paar Löcher mit einer Gabel in die Haube stechen, so dass der Dampf entweichen kann. Den Teig mit einem geschlagenen Ei einpinseln.

Backe den Pie im vorgewärmten Ofen für 25 bis 35 Minuten. Die Blätterteighaube sollte goldbraun, die Füllung kochend heiß sein. Aus dem Ofen nehmen, kurz abkühlen lassen und servieren.

Für vier Personen.

Dazu schmeckt ein grüner Salat, und für die, die mehr Kohlehydrate wünschen, gekochter Reis.

 

Springbok Kitchen

Das folgende Rezept aus “Springbok Kitchen” ist André Jouberts Cheesecake. André Joubert war von 1989-1997 der Fullback der Springbokke, gehörte zu den Rugby World Cup-Gewinnern von 1995 und hat 258 Punkte in 49 Spielen für Südafrika erzielt.

Das Rezept ist ein wenig komplizierter als das Lammkeulen-Rezept, da einige Zutaten nicht in typischen deutschen Supermärkten und Lebensmittelläden verfügbar ist.

Zutaten

Keksboden

1 Päckchen (200g) Tennis-Kekse, zu Krümeln zerstoßen
80ml geschmolzene Butter

Füllung

1 Dose (385g) süße kondensierte Milch
250 g cremiger Hüttenkäse
60 ml Zitronensaft
Erdbeeren, Kiwis, Granadila oder andere Früchte

Das Problem mit den Zutaten ist dreifach:

  1. Tennis-Kekse sind in Deutschland unbekannt
  2. Es gibt keine süße Kondensmilch in Dosen
  3. Hüttenkäse ist in Deutschland meistens nur in gekörnter Form erhältlich

Tennis-Kekse und süße Kondensmilch sind im südlichen Afrika Grundnahrungsmittel und in jedem noch so abgelegenen Farmstore zu kaufen. In Deutschland hat man vor allem mit den Tenniskeksen ein Problem. Wir haben mal Vollkornbutterkekse als Ersatz versucht und das Ergebnis war akzeptabel, aber eben nicht wie mit Tennis-Keksen.

Mit süßer Kondensmilch wird ein Produkt wie “Milchmädchen” gemeint. Milchmädchen kann man bei Amazon kaufen. Hier ist der Link:

Beides, Tennis-Kekse und süße Kondensmilch kann man aber auch bei SA Goodies kaufen.

Gekörnter Hüttenkäse sollte man mit einem Pürierstab oder ähnlichen zu einer cremigen Masse verarbeiten. Wahrscheinlich kann man auch Philadelphia benutzen, aber das haben wir noch nie ausprobiert.

Zubereitung:

Erhitze den Ofen auf 180°C vor.
Vermische die zerstoßenen Kekskrümel mit der geschmolzenen Butter und drücke sie auf den Boden und an den Seiten einer Springform oder ähnlichen Form mit einem Durchmesser von 20 cm.
Vermische die Kondensmilch, Hüttenkäse und Zitronensaft und schütte es auf den Keksboden.
Stelle die Form mit den Kuchen in den Ofen und schalte den Ofen ab. Lasse den Kuchen für 30 Minuten im Backofen.
Wenn der Kuchen abgekühlt ist, tue ihn in den Kühlschrank.
Dekoriere ihn mit Früchten.

Dieser Cheesecake ist sehr mächtig, aber sooooo lecker!

Das Buch:
Springbok Kitchen : Celebrating the Love of Food, Family and Rugby / compiled by Duane Heath; photography by Warren Heath. – Cape Town : Struik Lifestyle, 2011. – ISBN 978-1-77007-896-3 (print)

Website des Herausgebers: Struik Lifestyle

 

Springbok Kitchen

Ich bin ein Rugby-Fan und die Springbokke, die Mannschaft Südafrikas, sind meine Mannschaft. Bei unserem letzten Urlaub in Namibia wurde uns von sehr lieben Menschen das Buch “Springbok Kitchen : Celebrating the Love of Food, Family and Rugby” geschenkt. Ein tolles Buch, mit tollen Rezepten und wunderbaren Fotos, das leider nicht über Amazon verfügbar ist. Zwei dieser Rezepte möchte ich hier posten.

Da ist zuerst Schalk Burgers Leg of Lamb. Schalk Burger ist ein Springbok Flanker, spielt für die Stormers und Western Province und war 2004 der IRB Spieler des Jahres. Sein Rezept für Lammkeule ist Slow Food, denn die Keule ist 8-12 Stunden im Backofen. Die türkischen Hausfrauen beim Metzger, wo unsere Keule gekauft wurde, meinten, dass das viel zu lange ist, aber die Realität ist, dass die Lammkeule trotz langen Aufenthaltes im Backofen wunderbar zart und saftig ist.

Zutaten

2 kg Lammkeule (mit Knochen drin)
125 g Bacon, in Stücke geschnitten
3 Knoblauchzehen, in Scheiben geschnitten
250 ml Wasser
Salz, frisch gemahlener Pfeffer und Kräuter (z.B. Rosmarin, Thymian, Kräuter der Provence)
1 EL Maizena
125 ml Wasser

Zubereitung

Den Ofen auf 100°C vorwärmen.
Mache etwa 2 cm tiefe Einschnitte überall im Fleisch. Nehme Baconstücke und Knoblauchscheiben und schiebe sie in die Einschnitte.
Schütte 250 ml Wasser in eine Kasserole.
Lege das Fleisch in die Kasserole und bestreue es mit Salz, Pfeffer und Kräuter.
Bedecke die Kasserole mit einem Deckel oder Alufolie und backe die Keule für 8-12 Stunden. (Wir haben sie 7-8 Stunden im Ofen gehabt und sie war wunderbar).
Schütte die Flüssigkeit aus der Kasserole in einen Topf. Mische das Maizena mit 125 ml Wasser und füge es der Bratenflüssigkeit hinzu. Bringe die Sauce zum Kochen und rühre, bis sie dick wird. Die Sauce wird getrennt von dem Fleisch serviert.
Wenn gewünscht, kann man das Fleisch für ein paar Minuten unter dem Grill legen, damit es crispy wird. Das war bei uns nicht nötig.

Traditionell isst man im südlichen Afrika zur Lammkeule Reis und Gemüse, am besten gekochter Kürbis oder ähnliches.

Für sechs Personen.

Das Buch:
Springbok Kitchen : Celebrating the Love of Food, Family and Rugby / compiled by Duane Heath; photography by Warren Heath. – Cape Town : Struik Lifestyle, 2011. – ISBN 978-1-77007-896-3 (print)

Website des Herausgebers: Struik Lifestyle

 

Als normaler Mensch kommt man ja nicht unbedingt auf die Idee, Salat zu grillen. Aber wir sind ja, was Kochen und Grillen angeht, unerschrocken, und so haben wir uns an das Rezept “Radicchio und Chicoree Venezianische Art” aus dem Buch von Steven Raichlen “Barbeque” (sehr empfehlenswertes Kochbuch) gemacht. Da wir nur zu zweit waren, haben wir uns auf Chicoree beschränkt, können uns das Ganze aber mit Radicchio auch toll vorstellen. Vorab: es war eine Sensation! Vor allem die süß-saure Soße war genial! Unbedingt zu empfehlen. Hier ist das Rezept:

Zutaten:

Süß-saure Soße

3 EL Olivenöl, extra vergine
2 Knoblauchzehem, geschält und leicht mit der Seite einer Messerklinge angequetscht
3 EL Pinienkerne (da aus unergrünlichen Gründen Pinienkerne vor Ostern in vier der besuchten Supermärkten ausgekauft waren, haben wir Mandelstifte genommen)
3 EL Korinthen oder Rosinen
80 ml Balsamico-Essig
80 ml Honig
30 g Zartbitterschokolade, grob gehackt
grobes Salz und schwarzer Pfeffer
1 EL Butter

Salate

2 kleine oder 1 großer Radicchio
2 mittelgroße Chicorees, längs durchgeschnitten
2 EL Olivenöl, extra vergine

Außerdem benötigt man:

12 hölzerne Holzspieße oder hölzerne Zahnstocher (evtl. auch mehr), eine Stunde in Wasser eingeweicht, dann abgetropft
2 Hände voll Räucherspäne (am besten Eiche) etwa eine Stunde in Wasser eingeweicht. Ich hatte keine Eiche zur Hand und habe Buche genommen.

So wird’s gemacht:

Für die Sauce das Öl in einem kleinen Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen. Knoblauch zufügen und etwas 3 Minuten anbräunen lassen. Pinienkerne und Korinthen zugeben und 2 Minuten unter Rühren köcheln lassen, bis die Pinienkerne leicht gebräunt sind. Essig, Honig und Schokolade einrühren und das Ganze aufkochen lassen. Die Sauce 3-5 Minuten einkochen, bis sie dick und sirupartig ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Topf vom Herd nehmen und die Butter unterschlagen. (Man kann die Sauce bis zu 6 Stunden vorher zubereiten und dann wieder aufwärmen.)

Den Grill zum direkten Grillen vorbereiten.

Den Radicchio in Spalten schneiden, so dass der äußere Rand ca. 2,5 cm breit ist. Damit die Blätter zusammenhalten, werden sie auf einen dünnen Holzspieß oder einen Zahnstocher gesteckt. Beim Chicoree ist das nicht notwendig.

Kurz vor dem Grillen die Räucherspäne auf die Kohlen geben. Radicchiostücke und Chicoreehälften auf den heißen Grillrost legen. 3-5 Minuten grillen (beim Webergrill mit zugedeckter Haube), zwischendurch mit der Grillzange wenden und nach 1 Minute auf dem Grill mit Öl einpinseln.

Radicchiospalten und Chicoreehälften auf Teller oder eine Platte legen. Die Sauce darüber träufeln oder getrennt in einer Schale servieren. Noch schmackhafter wird das Ganze (es sieht dann aber nicht mehr so schön aus), wenn man die Salatstücke einige Male wendet, um sie mit der Sauce zu überziehen. Heiß oder warm servieren.

Dazu gab es bei uns Lammrippchen in Senfkruste und Ofenkartoffeln.

Diese Salatsauce ist einfach superlecker. Der leicht rauchige, leicht bittere Chicoree war damit ein Geschmackserlebnis.

Laut Kochbuch schmeckt sie zu alle Arten von gegrilltem Gemüse: von Spargel bis zum Speisekürbis. Man kan es auch zu gegrilltem Hähnchen oder Fisch reichen.

Amazon-Link:

 

Hähnchen auf Bierdose ist eins meiner Standardgerichte auf meinem Weber-Kugelgrill. Unsere
Gäste sind davon immer sehr beeindruckt!

Inzwischen benutzen wir keine Bierdosen mehr, denn bei uns gibt es die normalen 330ml Dosen nicht mehr. Die 500ml-Dosen sind ein bißchen zu hoch für den Kugelgrill und die handelsüblichen 330-ml-Dosen, die es noch für Cola etc gibt, sind höher und schmaler und kippen daher schneller um. Man könnte natürlich solche Limo-Dosen leer trinken und dann zum Grillen mit Bier füllen und man kann das Rezept auch mit Cola machen, aber die Dosen sind, wie gesagt, zu schmal. Eine Weile lang haben wir uns aus Holland die “richtigen” Bierdosen mitgebracht, aber dann gab es bei einem Discounter Ständer für Bierdosenhähnchen, die so aussehen:

Daneben eine handelsübliche 330ml-Dose, die nicht geeignet ist.

Die Dinger sind aus Edelstahl und lassen sich deswegen relativ einfach säubern.

Als erstes braucht man einen Rub. Davon mache ich im Frühling gleich einen Liter-Eimer voll und der hält dann die ganze Grillsaison lang.

Hier sind die Zutaten:

45 g brauner Rohrzucker (der klebrige, wie man ihn in Namibia kaufen
kann ist ideal!)
5 EL Paprikapulver edelsüß
3 EL schwarzer Pfeffer
4 EL grobes Salz
2 TL Knoblauchpulver
2 TL Selleriesamen (die lasse ich auch schon mal weg)
1 TL Cayenne-Pfeffer

Wenn man den süßen Paprika durch scharfen ersetzt, wird die Mischung noch würziger. Das ganze wird gut gemischt und dann in einem luftdichten Behälter kühl und dunkel gelagert. So hält es sich mindestens 6 Monate.

Pro Hähnchen braucht man 1,5 bis 2 EL, für 450 g Fleisch 2-3 Teelöffel. Man benutzt es nicht nur für Hähnchen, sondern auch für Rippchen, Schweineschulter und alles, was amerikanisch schmecken soll.

Für das Bierdosenhähnchen nehme man:

1 Dose Bier (0,33 ml)
1 Hähnchen (1,6-1,8 kg)
2 EL Barbeque-Rub

Wenn man es im Kugelgrill gart, wie wir, dann braucht mann noch 4 Hände voll Räucherspäne (vorzugsweise Hickory- oder Apfelbaumholz).

Die Bierdose öffnen. Mit einem Dosenöffner noch ein paar Löcher in die Oberseite stechen. Die Hälfte des Biers in das Einweichwasser der Holzspäne gießen. Die Holzspäne sollten etwa 1 Stunde abgedeckt in Bier und Wasser eingeweicht werden.

Den Grill zum indirekten Grillen vorbereiten. Dafür wird das Hähnchen nicht direkt über den Holzkohlen platziert. In der Mitte des Grills kommt eine Metalltropfpfanne mit Wasser und die glühenden Kohlen werden rechts und links davon plaziert. Es ist also eher ein Backofen, als Grill.

Fettpolster und Bürzel aus der Bauchhöhle herausziehen. Das Hähnchen innen und außen unter fließendem kalten Wasser abspülen, abtropfen lassen und dann mit Papiertüchern innen und außen trockentupfen. 2 TL der Gewürzmischung in der Bauchhöhle und im innereren Halsbereich verteilen. Das Hähnchen außen ebenfall mit Rub einreiben.

Die restliche Würzmischung in die Bierdose geben (es ist normal, dass das Bier dabei aufschäumt). Die Bierdose in die Bauchhöhle des Hähnchens einführen und die Schenkel so positionieren, dass sich eine Art Dreibein ergibt – damit das Hähnchen auf der Dose aufrecht steht. Die Flügelspitzen auf den Hähnchenrücken ziehen.

Die Räucherspäne auf die heißen Kohlen geben. Das Hähnchen über die Tropfpfanne in der Mitte des heißen Rosts stellen (nicht direkt über die Glut). Den Grill abdecken und das Hähnchen 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden grillen, bis die Haut dunkel-goldbraun und sehr knusprig ist (etwa 80° C Innentemperatur). Ich lege zur Halbzeit immer noch neue glühende Holzkohle nach.

Das Hähnchen mit der Dose in aufrechter Position auf eine Platte stellen und den Gästen präsentieren. 5 Minuten ruhen lassen, dann vorsichtig die Dose entfernen. Achtung: Dabei kein kochendes Bier verschütten!. Das Hähnchen tranchieren und servieren.

Das Hähnchen ist wunderbar zart, toll gewürzt und leicht geräuchert. Durch das indirekte Grillen ist das meiste Fett weggetropft.

Wenn man keinen Webergrill besitzt, kann man es auch im Backofen machen. Fragt mich aber jetzt nicht nach Temperaturangaben und Ober-, Unterhitze oder Umluft.

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