Ich habe auf stern.de die deutsche Übersetzung von Steve Jobs berühmter Stanford-Rede gefunden. Am Ende spricht Jobs vom Tod und wie das Bewusstsein, dass wir sterben werden, das Leben verändern kann. Diese Abschnitte möchte ich hier zitieren:
Als ich 17 war, las ich irgendwo ein Zitat, das ungefähr so lautete: “Lebt man jeden Tag, als wär’s der letzte, liegt man eines Tages damit richtig.” Das ist hängen geblieben. Seitdem frage ich jeden Morgen mein Spiegelbild: “Wenn heute der letzte Tag meines Lebens ist, würde ich dann gern das tun, was ich heute tun werde?” Und wenn die Antwort an zu vielen Tagen hintereinander Nein lautet, weiß ich, dass ich etwas ändern muss.
Mir ins Gedächtnis zu rufen, dass ich bald sterbe, ist mein wichtigstes Hilfsmittel, um weitreichende Entscheidungen zu treffen. Fast alles – alle Erwartungen von außen, aller Stolz, alle Angst vor Peinlichkeit oder Versagen – das alles fällt im Angesicht des Todes einfach ab. Nur das, was wirklich zählt, bleibt. Sich daran zu erinnern, dass man eines Tages sterben wird, ist in meinen Augen der beste Weg, um nicht zu denken, man hätte etwas zu verlieren. Man ist bereits nackt. Es gibt keinen Grund, nicht dem Ruf des Herzens zu folgen.
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Niemand will sterben. Sogar die Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen dafür nicht sterben. Und doch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist ihm jemals entronnen. Und so soll es auch sein: Denn der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens. Er ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird.
Jetzt sind Sie das Neue. Doch eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft werden Sie das Alte sein und aus dem Weg geräumt werden. Bitte entschuldigen Sie, dass ich so dramatisch werde, aber es ist so. Ihre Zeit ist begrenzt, verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen gefangen nehmen – das würde bedeuten, mit dem zu leben, was andere Leute erdacht haben. Lassen Sie nicht zu, dass der Lärm, den die Meinungen anderer erzeugen, Ihre innere Stimme, die Stimme Ihres Herzens, Ihre Intuition überdröhnt.”
Wir leben in einer Welt, in der der Tod gerne verdrängt wird. Dieses Verdrängen führt dazu, dass wir die Angst, die wir vor dem Tod haben unterdrückt wird. Und dennoch haben wir diese Angst und ich bin zur Überzeugung gelangt, dass es mir gut tut, mich mit der Angst, die ich vor dem Tod habe, auseinander zu setzen. Denn dann kann mehr Leben entstehen.
Als ich diese Worte von Steve Jobs las, dachte ich: wenn ich wüsste, dass ich in einem Jahr sterben würde, was würde ich dann in meinem Leben ändern? (Keine Angst, es gibt keinen Grund der mich wirklich denken lässt, dass ich in einem Jahr tot bin!) Sobald man solche Gedanken zulässt, kristallisiert sich sehr schnell heraus, was man eigentlich will und was einem wirklich wichtig ist. Wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte, könnte ich nicht mehr all die Dinge tun, die ich “irgendwann mal in meinem Leben” tun möchte. In einem anderen Artikel schrieb ich über einen anderen Rat von Steve Jobs: “Say no to 1,000 things”. Es fällt mir nun leichter, die tausend Dinge zu identifizieren, zu denen ich “Nein” sagen kann.
Das führte dazu, dass ich mir drei Ziele für die nächsten zwölf Monate vorgenommen habe. Ich möchte sie hier nicht auflisten, denn dieser Blogeintrag ist schon fast zu persönlich. Aber es gibt drei Dinge, die ich gerne noch in meinem Leben tun möchte. Das bedeutet nicht, dass ich die Dinge, die hinter den zwölf Monaten liegen, ignoriere. Ich plane auch für die längere Zukunft, aber dieser Gedanke – Was wäre wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte – gibt meinem Leben mehr Fokus auf das Wichtigste, auf das Leben und ich lebe nicht mehr so viel in Träumen und Wünschen, im “Was wäre wenn…” Und auch das ist wichtig: “Verschwenden Sie Ihr Leben nicht damit das Leben eines anderen zu leben.” Auch die Wünsche und Ansprüche anderer sind nicht mehr so dominant.
Wenn man den Tod vor Augen hat, konzentriert man sich viel mehr auf das Leben. Das habe ich sofort gemerkt. Es ging mir was meine Ängste und Zweifel dem Leben gegenüber betrifft plötzlich viel besser. Ruhe ist eingekehrt. Mehr Frieden und Gelassenheit, mehr Freude ist spürbar.
Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod estis.
Was wir sind, werdet ihr sein. Was ihr seid, waren wir einst.
(Spruch auf einem römischen Grab)
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