
Dieser Film erzählt die wahre Geschichte von Erzsébet Báthory, die in die Geschichte als “Blutgräfin” einging und die Grundlage von Vampirlegenden bildet. So stellt Raymond McNally die These auf, dass Dracula eigentlich eine Frau gewesen war, und zwar Erzsébet Báthory.
Erzsébet war eine reiche, mächtige Witwe – für manche in Ungarn zu reich und zu mächtig. Ihr verstorbener Mann hatte nicht nur den habsburger König Matthias ziemlich respektlos behandelt; der König hatte auch sehr hohe Schulden bei ihm, und nach seinem Tod, bei seiner Frau. Außerdem war sie intelligent und schön und eben eine Frau, die schon wegen ihres Geschlechts nicht so ganz in die Machtstrukturen passte. Dazu kam, dass sie eine Protestantin war, die deshalb von der katholischen Kirche nicht unbedingt wohl gelitten war.
Sie wurde von ihrer Mutter zur Härte und Grausamkeit erzogen. Als sie ein Kind von einem Jungen im Dorf erwartet, muss sie bei dessen qualvollen Hinrichtung zuschauen. Nach der Geburt des Kindes wurde es ihr weggenommen. Allerdings ging der Adel dieser Zeit nicht gerade zimperlich mit den Untergebenen um, so dass man diesen Charakterzug nicht nur ihr, sondern vielen ihres gleichen zuschreiben kann.
Als 39-jährige verliebt sie sich in den 21 Jahre alten István Thurzó, der Sohn des Grafen György Thurzó. István, der ein sensibler Romantiker ist, und mit den Machtspielen seines Vaters nicht viel anfangen kann, erwiedert ihre Liebe. Sein Vater zwingt ihn aber, sich von Erzsébet fernzuhalten und eine dänische Kaufmannstochter zu heiraten. Alle Briefe, die er Erzsébet schreibt, werden abgefangen.
Erzsébet wartet lange auf ihn. Ihre größte Angst ist, dass er sie wegen ihres Alters nicht lieben könnte. Eines Tages kommt ihr die Idee, dass das Blut einer Jungfrau sie jung halten könnte und das Grauen nimmt einen Anfang.
György Thurzó und König Matthias benutzen diese Geschehnisse als Vorwand, Erzsébet loszuwerden. Obwohl es wohl stimmt, dass sie Jungfrauen wegen ihres Blutes hat umbringen lassen, werden ihre Taten aufgebauscht. Am Ende wird sie zur Haft auf ihrer Burg verurteilt, wo sie ein paar Jahre später stirbt.
Es gibt zwei Thesen zu Erzsébet Báthory:
- Dass sie schuldig ist und wegen ihrer Eitelkeit hunderte von Jungfrauen umbringen ließ.
- Dass sie unschuldig ist und dass ihr diese Geschichten angedichtet wurden um sie, die so viel Macht und Geld hatte, zu vernichten.
Der Film geht eine Gratwanderung zwischen diesen Extremen und zeigt, die Graustufen, die zwischen diesem Schwarz-Weiß stehen. Die Charaktäre, vor allem der von Erzsébet Báthory sind vielschichtig. Ja, sie war grausam und rücksichtsvoll aber ja, sie konnte auch sehr liebevoll und zärtlich sein. So wird man hin- und hergerissen zwischen Verstehen, wie es so weit kommen konnte und Entsetzen, dass es so weit kam. Was die Wahrheit am Ende war, werden wir nie wissen, denn wie es auch in dem Film gesagt wird: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und Erzsébet Báthory war die Verliererin. Wer aber waren die Sieger, die die Geschichte schrieben? Barbarische Kämpfer, verrückte Könige und gierige Verräter, die oft nicht minder grausam als die Gräfin waren und sind.
Was ich sehr gut finde ist, dass der Film nie ins Horror- und Splattermäßige abgleitet. Das Grausame wird eher angedeutet und es ist der Phantasie des Zuschauers überlassen, die Lücken zu füllen.
Man kann nun sagen: das war vor vierhundert Jahren, die Menschen wussten es damals nicht besser (z.B. dass das Blut von Jungfrauen nicht schön macht) – aber der Film spricht durchaus aktuelle Themen an, z.B. den Platz der Frau in der Gesellschaft. Auch heute noch haben es mächtige, reiche und schöne Frauen schwer, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen, vor allem auch dann, wenn sie lieben und geliebt werden wollen. Ein anderes Thema ist der Schönheitswahn, für den Erzsébet Báthory buchstäblich über Leichen ging, der aber auch heute noch ein sehr großes Thema ist.
Julie Delpy, die nicht nur das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Musik komponierte, sondern auch die Hauptrolle spielt, ist mit diesem Film ein Meisterwerk gelungen. Die anderen Hauptrollen werden von William Hurt (György Thurzó) und Daniel Brühl (István Thurzó) gespielt. Ich finde den Film sehenswert und gebe folgendes Rating:

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