Gestern schrieb ich über “Vier Minuten“. Der zweite Film über eine Klavierspielerin, den ich rezensieren möchte, ist “Die Klavierspielerin”, ein Film von Michael Haneke mit Isabelle Huppert und Benoît Magimel.

Huppert spielt eine Frau, die völlig von ihrer Mutter beherrscht wird, die aus ihr eine Star-Pianistin machen wollte. Daraus ist aber nichts geworden und aus der Tochter ist nun eine Klavierlehrerin an einem Wiener Konservatorium. Einer ihrer Schüler, ein zwanzig Jahre jüngerer Mann (gespielt von Benoît Magimel) verliebt sich in sie und will sie, die so völlig unnahbar ist, erobern. Dabei wird er in ihre sexuelen Phantasien gezogen, die ihn abstossen und gleichzeitig anziehen – und, die für sie in der Realität dann doch anders sind als in der Phantasie.

Ein toller Film, basiert auf einem Roman von Elfriede Jelinek. Beim Filmwettbewerb in Cannes 2001 erhielten Huppert und Magimel für ihre Rollen jeweils die Auszeichnungen als beste Darsteller. Ausserdem ging der große Preis des Festivals an Michael Haneke. Ich empfehle den Film und gebe ihm vier Sterne.

Film:
Roman:
 

Seitdem ich mit dem Klavierspielen angefangen habe, habe ich ein großes Interesse an Filmen zu dem Thema. Deshalb möchte ich nun über zwei Filme über das Klavierspielen schreiben, nämlich über “Vier Minuten” und “Die Klavierspielerin”

Zuerst “Vier Minuten”. Dieser deutsche Film von Chris Kraus, handelt von einer Klavierlehrerin (grandios gespielt von Monica Bleibtreu) , die mehr oder weniger erfolglos in einem Frauengefängnis einigen Insassinnen das Klavierspielen beibringt. Eines Tages stellt sie fest, dass eine der Gefangenen, gespielt von Hannah Herzsprung ein musikalisches Genie ist. Die Lehrerin möchte die Gefangene fördern, aber es gibt viele Hindernisse, nicht zuletzt die Tatsache, dass die Insassin eine gefährliche Frau ist – und dass sie in der Lehrerin eher eine Gegnerin als Verbündete sieht. Am Ende bleibt der Gefangenen vier Minuten um etwas zu zeigen, was niemand von ihr erwartet. Und diese vier Minuten stellen alle Bilder, die man über Klavierspielerinnen hat, auf den Kopf.

Dieser Film hat zurecht die Auszeichnung als bester Film beim Deutschen Filmpreis 2007 gewonnen. Monica Bleibtreu wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, aber diese Auszeichnung hätte auch zurecht an Hannah Herzsprung gehen können, die ihre Rolle fulminant verkörpert.

Ein toller Film, den ich unbedingt empfehlen kann.

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Ein junger Grenzbeamter mit einem Hang zur Brutalität (gespielt von Barry Pepper) erschießt aus Versehen einen illegalen Einwanderer aus Mexiko, der aber schon eine Weile in Texas lebte. Er verscharrt den Körper in der Wüste, wo er aber von Kojoten ausgegraben wird. Nun muss sich die Polizei darum kümmern, will es aber nicht (schließlich war der Tote ein Illegaler und der Mörder ein Gesetzeshüter), sondern beerdigt den Toten. Der Freund des Toten (gespielt von Tommy Lee Jones) will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Er entführt den Mörder, lässt ihn den Toten ausgraben und zwingt ihn dazu, ihn und die Leiche, zu Pferd nach Mexiko zu begleiten, damit er einen Freundschaftswunsch des Toten erfüllen kann: ihn in seinem Heimatort zu begraben.

Es handelt sich dabei um einen Film, wo man nicht weggucken kann. Er ist bevölkert mit skurrilen Menschen, wie man sie so am Rande der Zivilisation findet. Einige Szenen sind makaber, aber immer noch irgendwie glaubhaft. Tommy Lee Jones spielt nicht nur den Freund des Toten, sondern hat auch Regie geführt und aus dieser Geschichte einen hervorragenden Film gemacht, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Sehr zu empfehlen!

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DVD:

BluRay:

 

DVD-Cover von Die Gräfin

Dieser Film erzählt die wahre Geschichte von Erzsébet Báthory, die in die Geschichte als “Blutgräfin” einging und die Grundlage von Vampirlegenden bildet. So stellt Raymond McNally die These auf, dass Dracula eigentlich eine Frau gewesen war, und zwar Erzsébet Báthory.

Erzsébet war eine reiche, mächtige Witwe – für manche in Ungarn zu reich und zu mächtig. Ihr verstorbener Mann hatte nicht nur den habsburger König Matthias ziemlich respektlos behandelt; der König hatte auch sehr hohe Schulden bei ihm, und nach seinem Tod, bei seiner Frau. Außerdem war sie intelligent und schön und eben eine Frau, die schon wegen ihres Geschlechts nicht so ganz in die Machtstrukturen passte. Dazu kam, dass sie eine Protestantin war, die deshalb von der katholischen Kirche nicht unbedingt wohl gelitten war.

Sie wurde von ihrer Mutter zur Härte und Grausamkeit erzogen. Als sie ein Kind von einem Jungen im Dorf erwartet, muss sie bei dessen qualvollen Hinrichtung zuschauen. Nach der Geburt des Kindes wurde es ihr weggenommen. Allerdings ging der Adel dieser Zeit nicht gerade zimperlich mit den Untergebenen um, so dass man diesen Charakterzug nicht nur ihr, sondern vielen ihres gleichen zuschreiben kann.

Als 39-jährige verliebt sie sich in den 21 Jahre alten István Thurzó, der Sohn des Grafen György Thurzó. István, der ein sensibler Romantiker ist, und mit den Machtspielen seines Vaters nicht viel anfangen kann, erwiedert ihre Liebe. Sein Vater zwingt ihn aber, sich von Erzsébet fernzuhalten und eine dänische Kaufmannstochter zu heiraten. Alle Briefe, die er Erzsébet schreibt, werden abgefangen.

Erzsébet wartet lange auf ihn. Ihre größte Angst ist, dass er sie wegen ihres Alters nicht lieben könnte. Eines Tages kommt ihr die Idee, dass das Blut einer Jungfrau sie jung halten könnte und das Grauen nimmt einen Anfang.

György Thurzó und König Matthias benutzen diese Geschehnisse als Vorwand, Erzsébet loszuwerden. Obwohl es wohl stimmt, dass sie Jungfrauen wegen ihres Blutes hat umbringen lassen, werden ihre Taten aufgebauscht. Am Ende wird sie zur Haft auf ihrer Burg verurteilt, wo sie ein paar Jahre später stirbt.

Es gibt zwei Thesen zu Erzsébet Báthory:

  1. Dass sie schuldig ist und wegen ihrer Eitelkeit hunderte von Jungfrauen umbringen ließ.
  2. Dass sie unschuldig ist und dass ihr diese Geschichten angedichtet wurden um sie, die so viel Macht und Geld hatte, zu vernichten.

Der Film geht eine Gratwanderung zwischen diesen Extremen und zeigt, die Graustufen, die zwischen diesem Schwarz-Weiß stehen. Die Charaktäre, vor allem der von Erzsébet Báthory sind vielschichtig. Ja, sie war grausam und rücksichtsvoll aber ja, sie konnte auch sehr liebevoll und zärtlich sein. So wird man hin- und hergerissen zwischen Verstehen, wie es so weit kommen konnte und Entsetzen, dass es so weit kam. Was die Wahrheit am Ende war, werden wir nie wissen, denn wie es auch in dem Film gesagt wird: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und Erzsébet Báthory war die Verliererin. Wer aber waren die Sieger, die die Geschichte schrieben? Barbarische Kämpfer, verrückte Könige und gierige Verräter, die oft nicht minder grausam als die Gräfin waren und sind.

Was ich sehr gut finde ist, dass der Film nie ins Horror- und Splattermäßige abgleitet. Das Grausame wird eher angedeutet und es ist der Phantasie des Zuschauers überlassen, die Lücken zu füllen.

Man kann nun sagen: das war vor vierhundert Jahren, die Menschen wussten es damals nicht besser (z.B. dass das Blut von Jungfrauen nicht schön macht) – aber der Film spricht durchaus aktuelle Themen an, z.B. den Platz der Frau in der Gesellschaft. Auch heute noch haben es mächtige, reiche und schöne Frauen schwer, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen, vor allem auch dann, wenn sie lieben und geliebt werden wollen. Ein anderes Thema ist der Schönheitswahn, für den Erzsébet Báthory buchstäblich über Leichen ging, der aber auch heute noch ein sehr großes Thema ist.

Julie Delpy, die nicht nur das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Musik komponierte, sondern auch die Hauptrolle spielt, ist mit diesem Film ein Meisterwerk gelungen. Die anderen Hauptrollen werden von William Hurt (György Thurzó) und Daniel Brühl (István Thurzó) gespielt. Ich finde den Film sehenswert und gebe folgendes Rating:

4 Sterne

Information zu dem Film:

Weitere Information:

Amazon Link zu dem Film:

Bücher zu Erzsébet Báthory:

 

Filmplakat von Einer flog über das Kuckucksnest

Wir haben uns gestern die DVD von “Einer flog über das Kuckucksnest” angeschaut – und dieser Film aus 1975 ist für mich ein Beispiel eines würdigen Oskar-Empfängers als bester Film und natürlich auch als bester Hauptdarsteller. Jack Nicholson ist einfach genial.

Der Verbrecher McMurphy ist nicht nur kriminell, sondern auch faul. Er möchte nicht ins Gefängnis und in die Arbeitskolonne und lässt sich als unzurechnungsfähig in eine Nervenheilanstalt einweisen. Dort mischt er alle auf, merkt dann aber nach und nach, dass es nicht die beste Entscheidung seines Lebens war.

McMurphy ist nicht der sympatischste Typ, aber man merkt sehr schnell, dass die gestörteste Person des ganzen Filmes (wenn man mal von den Szenen in der “Geschlossenen”, wo McMurphy Elektroschocks bekommt, absieht) kein Insasse ist, sondern die Krankenschwester, die der Station vorsteht. Zuerst ist sie unheimlich, am Ende richtig böse und man möchte ihr, wie es McMurphy schließlich tut, an die Gurgel gehen. Es macht jedenfalls nachdenklich, über was “Gestörtsein” und “Wahnsinn” eigentlich ist.

Dennoch ist der Film nicht düster. Die anderen Patienten sind herrlich skurril und man hat viel zu lachen. Der junge Danny de Vito als Martini und Brad Dourif als Billy sind besonders hervorzuheben. Mein ganz großer Favorit war aber der Colonel Matterson im Rollstuhl (Peter Brocco). Ja, man lacht über die Patienten, aber es ist ein symphatisierendes Lachen, kein Auslachen. Es ist eben eine Tragikömodie wie Friedrich Dürrenmatt sie nicht besser geschrieben haben könnte.

Heute heißen solche Institutionen nicht mehr “Nervenheilanstalt” sondern “psychatrische Klinik” und ich hoffe, dass sich auch die Behandlungsmethoden geändert haben. Jedenfalls hat der Kleinkriminelle mit der großen Schnauze eine bessere, positivere Wirkung auf die Kranken als das ganze Pflegepersonal zusammen – weil er sie nicht als “Bekloppte” und “Irre” behandelt (obwohl er sie andauernd so nennt), sondern als ganz normale Menschen.

Verdiente Oscars für besten Film, besten Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin (Louise Fletcher als Stationsschwester), beste Regie (Milos Forman) und bestes Drehbuch.

4 Sterne

Information zu dem Film in der Internet Movie Database und Wikipedia.

Bildquelle: http://www.moviepilot.de/movies/einer-flog-uebers-kuckucksnest

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Filmposter

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, warum “The King’s Speech” einen Oscar für den besten Film bekommen hat. Der Oscar an Colin Firth als bester Schauspieler ist gerechtfertigt – auf jeden Fall. Aber für den besten Film… Der Film hat mich nicht überwältigt. Ich bin da nicht mit dem Gedanken “Wow!” raus gegangen Bei True Grit habe ich das allerdings auch nicht gedacht. Bei Inception schon. Bei Black Swan auch. 127 Hours wollen wir uns heute abend anschauen. Aber The King’s Speech als bester Film? Ich weiß nicht.

Das heißt aber nicht, dass der Film nicht sehenswert ist! Das ist er durchaus. Zum einen eben wegen Colin Firth, der eine grandiose Leistung als stottender König vollbringt.

Dann gibt es den geschichtlichen Aspekt. Wir, die wir in den 60er-Jahren geboren wurden, kennen nur die Queen. Wir wissen kaum was über den Königen vor ihr, auch wenn sie in historisch interessanten Zeiten gelebt und regiert haben, wie Georg VI. Damals war das britische Empire noch riesig und uns wird aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg berichtet. Wir wussten vielleicht von Georgs Bruder Eduard VIII, der wegen seiner Liebe zu Wallis Simpson abdankte, wir wissen dass er der Vater der Queen war, aber eigentlich wissen wir kaum sonst was von diesem Mann. In dem Film erfahren wir mehr über ihn und seine Familie.

Dann ist da der psychologische Aspekt. Georg VI war ein Stotterer. Warum? Zum psychologischen Aspekt gehört für mich auch die Beziehung zwischen ihm – Sohn eines Königs, Bruder eines Königs und selber König – und seinem Therapeuten, dem Australier Lionel Logue. Es geht um die Gleichheit der Menschen, auf die sich kein englischer Therapeut eingelassen hätte, auf die der Australier aber bestand und vielleicht gerade deshalb dem König helfen konnte.

Also: der Film ist durchaus sehenswert, aber ich hatte, wegen dem Oscar, mehr von ihm erwartet und wurde enttäuscht.

3.5 Sterne

Mehr Information in der Internet Movie Data Base

Bildquelle: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/the-king-s-speech

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