Brief an mein Leben - Miriam Meckel - Cover

Als ich die Reviews über dieses Buch bei Amazon las, wurde ich skeptisch. Bei einer Bewertung von nur drei aus fünf Sternen und Phrasen wie “Es ist ein dünnes Buch voller Binsenweisheiten und Banalitäten”, “ein dröge und langweilig geschriebener Bericht über den Aufenthalt in einer Psycho-Klinik” und “Das Buch hat mich mit zunehmender Seitenanzahl immer wütender gemacht” entschied ich mich schnell, dass ich das Buch nicht lesen müsste.

Dann aber gab ein Freund es mir in die Hand und ich habe es doch gelesen. Ich habe mal wieder gesehen, dass man die Rezensionen in Amazon nicht immer zum Maßstab machen darf. Mir hat das Buch gefallen und am Ende fand ich es schade, dass es zuende war.

Warum hat es mir gefallen?

Andere Menschen halten mir oft einen Spiegel vor. Das heißt, ich kann in ihnen Dinge sehen, die es auch in mir gibt. Manchmal mag ich nicht, was ich in dem Spiegel sehe, manchmal mag ich es sehr. Miriam Meckel hält mir einen Spiegel hoch und ich sehe mich in vielem, was sie sagt wieder. Und deshalb kann sie mir persönlich auch etwas sagen. Ich habe mir sehr schnell einen Bleistift gegriffen und Sätze im Buch unterstrichen, weil ich dort mich sah, meine persönlichen Strukturen, mein Leiden. Ich konnte mich mit der Autorin identifizieren. Wenn sie über die Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen, über sich als “pflegeleicht”, oder über die Texturen des Lebens schreibt, kann ich sagen: das kenne ich. Damit kann ich etwas anfangen.

Natürlich frage ich mich auch: Hat der Klinikaufenthalt ihr etwas gebracht? Wie hat sie ihr Leben geändert? Aber die Antworten auf diese Fragen liegen, aus der Perspektive des Buches gesehen, in der Zukunft und damit ausserhalb des Buches. Nein, es ist kein Buch, das sagt: “Tu dies und alles wird besser!” Wie könnte es das auch sein? Die Ursachen von Burnout liegen auch in ganz individuellen Persönlichkeitsstrukturen, die bei jedem Menschen anders sind. Wer hier eine Therapie für seinen eigenen Burnout sucht, wird enttäuscht werden. Aber solche Menschen sollten sich sowieso eher an einen Arzt oder Therapeuten wenden und nicht an eine Kommunikationswissenschaftlerin. Der Wert des Buches liegt für mich ganz woanders: dass ich mich dort wiederfinde und merke: Ich bin nicht allein.

4 Sterne

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