In diesem Blog schreibe ich viel über gratis EBooks und ich habe inzwischen mehr solcher Bücher gesammelt als ich in meinem Leben Zeit hätte zu lesen. Das heißt aber nicht, das ich nicht bereit bin für gute Bücher Geld zu bezahlen. Im Gegenteil – was Bücher betrifft, sitzt meine Geldbörse recht locker.
In den letzten Wochen haben zwei nue Bücher meine Aufmerksamkeit erregt: “Schuld” von Ferdinand von Schirach und “Lebenslauf” von Alice Schwarzer. Also habe ich mich bei Amazon eingeloggt. Ja, beide Bücher sind als EBooks verfügbar. Und ich hätte gerne auch noch “Verbrechen” von von Schirach in den Einkaufskorb getan, aber dann habe ich mir die Preise angeschaut:
“Schuld” kostet als gebundene Ausgabe EUR 17,95, als Taschenbuch EUR 8,99 und als Kindle-Edition EUR 13,99. Ja, die EBook-Version ist teurer als die Taschenbuchausgabe! Womit ist das zu rechtfertigen? Wie ist das zu verstehen? Warum soll ich für ein EBook mehr als für das gleiche Buch auf toten Bäumen zahlen?
Die Taschenbuchausgabe ist noch nicht auf dem Markt. Im Februar soll es dann so weit sein. Kann ich dann annehmen, dass der EBook-Preis unter dem des Taschenbuches sinkt? Diese Annahme wird durch einen Blick auf die Preise von “Verbrechen” desselben Autors bestätigt: Kindle Edition EUR 7,49, Taschenbuch EUR 8,99, Gebundene Ausgabe EUR 10,00.
Wenn ja, warum ist er jetzt so hoch? Es geht wohl nicht nur um die Produktionskosten (Autorenhonorar, Verlagsdienstleistungen, Druckkosten bzw. Kosten für die Erstellung des EBooks, Transportkosten bzw. Server- und Netzkosten), sondern auch um Spekulation mit Angebot und Nachfrage und Gewinne für den Verlag.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ein gutes Buch hat seinen Preis. Ich finde, Autoren sollten Geld mit ihren Büchern verdienen. Ich finde auch, dass Verlage nicht nur ihre Produktionskosten, sondern auch Gewinne erwirtschaften sollten. (Eine Frage zu den Gewinnen: Bekommt der Autor auch etwas davon ab?). Aber hier fühle ich mich ein wenig veräppelt, zumal auch meine Schmerzgrenze was der Preis für ein EBook betrifft, ein wenig überschritten ist – noch nicht übermäßig, ich würde noch schwanken, würde ich mich nicht veräppelt vorkommen, aber dennoch.
Kommen wir zu Alice Schwarzers Lebenslauf. Eine Taschenbuchausgabe ist nicht verfügbar. Für dieses Buch sind die Preise: Kindle Edition EUR 19,99, Gebundene Ausgabe EUR 22,99. Mit EUR 20,00 und nur drei Euro unter dem Preis für die gebundene Ausgabe ist die Schmerzgrenze wirklich überschritten.
Man darf bei EBooks nicht vergessen, dass ich das Buch nicht in irgendeiner Form weitergeben kann, wenn ich es fertig gelesen habe. Ich darf es nicht verkaufen, ich darf es nicht verschenken, ich darf es nicht ausleihen.
Angebot und Nachfrage – dazu gehört auch die Überlegung, dass wenn der Preis des Angebots sinkt, die Nachfrage meistens steigt (in dem Fall wäre es bei mir so), und dass man vielleicht mit einem niedrigeren Preis viel mehr verkauft und auch verdient. Der amerikanische Buchmarkt hat es, glaube ich, erkannt.
Wie weiß ich das? Ich habe auf amazon.com und amazon.de folgende Abfragen gemacht:
Erstens: Alle Angebote für Kindle, eingegrenzt auf Belleristik (Fiction) und sortiert nach der besten Kundenbewertung. Davon habe ich den Durchschnittspreis der ersten 100 Treffer berechnet. Dann habe ich den Dollarpreis in Euro umgerechnet. Das Ergebnis ist:
amazon.de: EUR 9,14
amazon.com: EUR 5,77
Zweitens: Alle Angebote für Kindle, eingegrenzt auf Belleristik (Fiction) und sortiert nach Beliebtheit. Davon habe ich den Durchschnittspreis der ersten 100 Treffer berechnet. Dann habe ich den Dollarpreis in Euro umgerechnet. Das Ergebnis ist:
amazon.de: EUR 5,17
amazon.com: EUR 3,35
Ich glaube, die zweite Abfrage gibt vielleicht eher wieder, was Kunden zu zahlen bereit sind.
Mein Fazit ist: die EBook-Preise für deutsche Bücher sind um einiges teurer als englische Bücher. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass der EBook- und EBookreaderverkauf hier in Deutschland etwas stockender als in Amerika ist.
Mich würde jetzt noch interessieren ob die Piraterie nach EBooks in Deutschland größer ist als in den USA. Ich persönlich habe mit Piraterie nichts am Hut, denn, wie gesagt, ich glaube, dass ein gutes Buch, ein guter Film oder gute Musik einen angemessenen Preis wert ist.
Ich bin froh, dass ich nicht nur Englisch lesen kann, sondern es auch gerne lese. Ich bin froh, dass es tausende gratis EBooks gibt wovon viele wirklich lesenswert sind. Das Angebot an mich ist so groß, dass ich erstmal auf einen Kauf von den Büchern von Herrn von Schirach und Frau Schwarzer verzichten kann.