Wenn man sich für den Feminismus interessiert, fragt man sich natürlich früher oder später, welche Rechte Frauen eigentlich in früheren Jahren gehabt hatten – allein schon um zu sehen, ob es Frauen heute besser geht und welche Punkte bezüglich der Frauenrechte heute noch angegangen werden müssen.

Dieses englische Buch von Eugene Hecker ist zwar schon vor hundert Jahren geschrieben worden, aber ich möchte es dennoch auch den modernen LeserInnen empfehlen. Im Gegensatz zu vielen Büchern über Recht, ist dieser Text sehr gut zu lesen – keineswegs trocken oder langweilig. Es geht um die Rechte der Frauen seit dem römischen Reich bis zum Anfang des 20. Jahrhundert. Eine Lehre, die man aus der Lektüre vielleicht ziehen kann ist die: frau kann ihre Rechte auch wieder verlieren. So hatten Frauen im römischen Reich vielleicht nicht die volle Gleichstellung mit Männern, aber mehr Rechte als in den Jahrhunderten danach, die sehr von der christlichen Kirche geprägt waren. In der letzten Hälfte dieses Buches geht es mehr um die Rechte der Frauen in Großbritannien und den USA, nicht mehr so sehr die der anderen europäischen Länder (und schon gar nicht auf nicht-europäische bzw. -amerikanische Länder). Dennoch wird hin und wieder auf die Situation auf dem “Kontinent”, z.B. Deutschland oder Frankreich, verwiesen. Zum Schluss geht der Autor sehr auf das Wahlrecht der Frauen ein, dass zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde, wohl das größte frauenrechtliche Thema war.

Wie bereits gesagt, ist der Text gut zu lesen. Dennoch fehlt es nicht an der Wissenschaftlichkeit. So gibt es zahlreiche Fußnoten mit bibliografischen Belegen, sowie Notizen.

Ja, das Buch ist alt, ja, es geht natürlich nicht auf das 20. Jahrhundert ein. Und ja, es ist englisch- bzw. amerikanisch-lastig. Es kann daher nicht das einzige Buch zum Thema sein, wenn man sich tiefer mit der Geschichte der Frauenrechte befassen möchte. Dennoch ist es vielleicht ein guter Anfang und kann man es gewinnbringend lesen. Daher eine Empfehlung mit vier Sternen.

Es gibt mehrere Versionen dieses Buches in den Archiven der gratis EBooks. Ich empfehle die des Project Gutenberg.

Amazon Links:

 

Neulich habe ich in einem Blogartikel über feministische AutorInnen nach weiteren Namen gefragt, deren Bücher man gelesen haben sollte. Nun hat die EMMA diese Frage indirekt beantwortet. In der neusten Ausgabe (Winter 2012) ist auf Seite 139 eine Liste “Diese Bücher sollte Frau gelesen haben!” Nun habe ich meine Liste der AutorInnen ergänzt. Dabei habe ich diesen Blog gleich ein wenig umgemodelt: es gibt nun einen Menüeintrag “Feminismus”, worunter die Liste veröffentlicht wurde.

Danke EMMA!

 

In meiner Suche nach gratis EBooks bin ich auch auf einige feministische Titel gestoßen. Viele von ihnen wurden vor über hundert Jahren geschrieben. Da mich das Thema aber interessiert, habe ich sie mir heruntergeladen und lese nun hin und wieder eins der Bücher. Ich stelle mir dabei vor allem folgende Fragen:

Mit welchen Themen haben sich Feministinnen vor hundert oder mehr Jahren beschäftigt?

  • Sind diese Themen noch aktuell?
  • Sind ihre Thesen noch aktuell?
  • Was können wir von ihnen lernen?


Portrait von Jane Ellen Harrison von Augustus John, Newnham College, Cambridge

Als erstes habe ich “Homo Sum: Being a Letter to an Anti-Suffragist from an Anthropologist” von Jane Ellen Harrison gelesen. Es gibt kein Publikationsdatum in dem Buch, aber den Bibliothekskatalogen nach wurde es ca 1909 geschrieben.

Bei dem Buch handelt es sich um einen Brief an einen unbekannten Mann, der eine Anti-Suffragist Society gegründet hat, also eine Gesellschaft, die sich gegen das Wahlrecht für Frauen aussprach. Die Autorin ist Anthropologin und argumentiert sehr elegant für das Recht der Frauen zu wählen.

Augenscheinlich geht es um das Wahlrecht – ein Thema, für das Frauen im 21. Jahrhundert nicht mehr kämpfen müssen. Aber es geht um mehr, es geht auch darum, für das das Wahlrecht steht: Freiheit, Gleichheit, Selbstbestimmung und Macht – und das sind Themen, die immer noch aktuell sind, nicht nur in Europa, sondern gerade auch in vielen anderen Ländern der Welt.

Was sind nun die Argumente, die Jane Ellen Harrison bringt? Im Folgenden setze ich die Auszüge, Texte und Zusammenfassungen aus ihrem Buch in kursiv. Meine eigene Meinung bleibt in normaler Schrift. So hoffe ich, zwischen ihren Gedanken und meiner Interpretation unterscheiden zu können.

Als erstes geht es um die These der Anti-Suffragisten, dass das Wahlrecht und damit politische Macht “unweiblich” ist. Frau Harrison argumentiert, dass es auch “unmännlich” ist. Eine Stimme hat überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Menschlichkeit, die beide Geschlechter miteinander teilen.

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“Christa Ruland” wurde 1902 veröffentlicht und ist ein Klassiker der deutschen feministischen Literatur. Über das Buch wurde schon vieles geschrieben, z.B. hier, hier oder hier.

Christa Ruland ist eine junge Frau, die um die Wende zwischen 19. und 20. Jahrhunderts in Berlin lebt. Sie ist Tochter einer gehobeneren Familie und braucht sich keine existentiellen Ängste zu machen. Aber sie lebt auch nicht ihr eigenes Leben, denn das, was sie für sich will, wird von anderen blockiert. So will sie z.B. Gymnasialkurse nehmen, aber das passt ihrer Mutter nicht, weil die Kurse zur Zeit des Abendbrotes stattfinden und sie nicht für Christa nachdecken lassen will. Überhaupt – der Mutter Ziel ist, Christa gut in einer Ehe unterzubringen und ihrer Meinung nach braucht eine Frau keinen Beruf, sondern einen Mann und Versorger. Christa lernt Adrian von Lützow kennen, Spross eines Adelsgeschlechts. Er fragt gar nicht, ob sie seine Frau werden möchte, sondern beschließt, mit Unterstützung der Familie Christas, einfach die Hochzeit. Da Christa ihn liebt, lässt sie es auch ohne Widerstand mit sich geschehen. Als Christa aber dann den Wunsch hat, zu studieren, verhindert Adrian das.

Diese Steine, die andere ihr in den Weg legen, sind nicht vom Bösen motiviert. Ihre Familie, Adrian, Freunde – sie alle lieben Christa und wollen das Beste für sie. Aber alle, auch Christa, sind gefangen in tradierten Rollen, die kaum hinterfragt werden. So heißt es einmal:

Es ist ein Zwiespalt in uns Werdenden zwischen dem Altererbten und dem Neuerrungenen. Was seit so vielen Generationen Recht und Brauch war, hat sich unserer Gesinnung einverleibt, es ist beinah Instinkt bei uns geworden. Wir haben noch die Nerven der alten Generation und die Intelligenz und den Willen der neuen. All die alten Anschauungen und Vorurteile, sie heften sich an unsere Sohlen, eine Art sanfter Furien oder Medusen, die unser Wollen zwar nicht versteinern, aber doch lähmen. Mit einem Wort: wir sind Uebergangsgeschöpfe.

und

Sie erkannte, daß wir ein Zwangsleben führen, daß wir in traditionellen Dogmen eingeklammert, aus längst vermoderten Gehirnen heraus denken und fühlen – Leichenideen.

Christa kommt also ziemlich fremdbestimmt vor, aber man hat oft auch den Eindruck, dass sie nicht weiss, was sie eigentlich für sich selbst will. Einerseits bewundert sie ihre Freundin, Maria Hill, die in der Schweiz Chemie studiert hat, möchte auch studieren und kann es nicht, anderseits hat sie keinerlei materiellen oder finanziellen Sorgen, da sie von den Männern ihres Lebens (der Vater, der Ehemann, der Freund) versorgt wird und auch mit der Versorgung rechnet (z.B. als sie sich einen Schal kauft). Einerseits wünscht sie sich die Freiheit, das Recht selbstbestimmt zu leben, anderseits aber geht sie den damit einhergehenden Pflichten aus dem Weg und bleibt so, wenn es ihr passt, weiter abhängig von anderen. Sie ist also weder Fisch noch Fleisch.

Hedwig Dohm schrieb eine Geschichte über eine Wende, die Frauen zu sehr Zeit erfuhren. Am Beispiel ihrer Freundinnen sehen wir, dass es die neuen Frauen, die ihr eigenes Ding machen wollten, bereits gab – aber wir sehen auch, wie sie von Männern (und Frauen), die mit den neuen Frauen nicht viel anfangen können, gebremst werden. Aber auch die “Verhinderer” entwickeln sich weiter: Als Adrian sich in Maria verliebt, hilft er ihr in ihrem beruflichen Weiterkommen, ja, er selbst emanzipiert sich auch von den Plänen und Wünschen seiner Familie, die für ihn eine diplomatische Laufbahn aber kein naturwissenschaftliches Studium vorsah.

Die Frage, ob dieses Buch für unsere Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen studieren und einen Beruf ausüben, überhaupt noch relevant ist, erübrigt sich. Trotz allen Fortschritts sind wir noch nicht am Ziel angekommen, das Denken über Frauen damals ist auch heute noch in vielen Köpfen. Christa sucht für sich Freiheit und auch wir suchen heute noch danach. Vielleicht sind wir ein gutes Stück weiter gekommen, aber wir sind noch nicht am Ziel. Deshalb ist das Buch immer noch lesenswert.

Ich gebe dem Buch dreieinhalb Sterne.

Meine kostenlose EBook-Version (von Amazon) basierte auf die Ausgabe von 1902. Manchmal ist es für uns, die zwei Rechtschreibreformen weiter sind, befremdlich, ein Buch in dieser Orthografie zu lesen. Aber man gewöhnt sich sehr schnell an die alte Rechtschreibung. Natürlich kann man sich auch das Buch in einer modernen Fassung kaufen:

Amazon-Link:

 

Ich bin, was den Feminismus betrifft, ziemlich unbeleckt. Ja, ich sehe mich selbst als eine Feministin, als eine Frau, die der Meinung ist, dass Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer haben und haben sollten (und umgekehrt). Aber ich habe noch sehr wenig über den Feminismus, geschweige denn feministische Texte gelesen. Nun habe ich in der englischen und deutschen Wikipedia mal unter “Feminism“, “Feminismus” und “Frauenbewegung” nachgeschaut, wer die großen Frauen und Männer des Feminismus waren und sind. Dabei habe ich folgende Namen (nach Geburtsjahr sortiert) gefunden:

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… eins meiner Lieblingscartoons von XKCD:

marie curie

 

DVD-Cover von Die Gräfin

Dieser Film erzählt die wahre Geschichte von Erzsébet Báthory, die in die Geschichte als “Blutgräfin” einging und die Grundlage von Vampirlegenden bildet. So stellt Raymond McNally die These auf, dass Dracula eigentlich eine Frau gewesen war, und zwar Erzsébet Báthory.

Erzsébet war eine reiche, mächtige Witwe – für manche in Ungarn zu reich und zu mächtig. Ihr verstorbener Mann hatte nicht nur den habsburger König Matthias ziemlich respektlos behandelt; der König hatte auch sehr hohe Schulden bei ihm, und nach seinem Tod, bei seiner Frau. Außerdem war sie intelligent und schön und eben eine Frau, die schon wegen ihres Geschlechts nicht so ganz in die Machtstrukturen passte. Dazu kam, dass sie eine Protestantin war, die deshalb von der katholischen Kirche nicht unbedingt wohl gelitten war.

Sie wurde von ihrer Mutter zur Härte und Grausamkeit erzogen. Als sie ein Kind von einem Jungen im Dorf erwartet, muss sie bei dessen qualvollen Hinrichtung zuschauen. Nach der Geburt des Kindes wurde es ihr weggenommen. Allerdings ging der Adel dieser Zeit nicht gerade zimperlich mit den Untergebenen um, so dass man diesen Charakterzug nicht nur ihr, sondern vielen ihres gleichen zuschreiben kann.

Als 39-jährige verliebt sie sich in den 21 Jahre alten István Thurzó, der Sohn des Grafen György Thurzó. István, der ein sensibler Romantiker ist, und mit den Machtspielen seines Vaters nicht viel anfangen kann, erwiedert ihre Liebe. Sein Vater zwingt ihn aber, sich von Erzsébet fernzuhalten und eine dänische Kaufmannstochter zu heiraten. Alle Briefe, die er Erzsébet schreibt, werden abgefangen.

Erzsébet wartet lange auf ihn. Ihre größte Angst ist, dass er sie wegen ihres Alters nicht lieben könnte. Eines Tages kommt ihr die Idee, dass das Blut einer Jungfrau sie jung halten könnte und das Grauen nimmt einen Anfang.

György Thurzó und König Matthias benutzen diese Geschehnisse als Vorwand, Erzsébet loszuwerden. Obwohl es wohl stimmt, dass sie Jungfrauen wegen ihres Blutes hat umbringen lassen, werden ihre Taten aufgebauscht. Am Ende wird sie zur Haft auf ihrer Burg verurteilt, wo sie ein paar Jahre später stirbt.

Es gibt zwei Thesen zu Erzsébet Báthory:

  1. Dass sie schuldig ist und wegen ihrer Eitelkeit hunderte von Jungfrauen umbringen ließ.
  2. Dass sie unschuldig ist und dass ihr diese Geschichten angedichtet wurden um sie, die so viel Macht und Geld hatte, zu vernichten.

Der Film geht eine Gratwanderung zwischen diesen Extremen und zeigt, die Graustufen, die zwischen diesem Schwarz-Weiß stehen. Die Charaktäre, vor allem der von Erzsébet Báthory sind vielschichtig. Ja, sie war grausam und rücksichtsvoll aber ja, sie konnte auch sehr liebevoll und zärtlich sein. So wird man hin- und hergerissen zwischen Verstehen, wie es so weit kommen konnte und Entsetzen, dass es so weit kam. Was die Wahrheit am Ende war, werden wir nie wissen, denn wie es auch in dem Film gesagt wird: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und Erzsébet Báthory war die Verliererin. Wer aber waren die Sieger, die die Geschichte schrieben? Barbarische Kämpfer, verrückte Könige und gierige Verräter, die oft nicht minder grausam als die Gräfin waren und sind.

Was ich sehr gut finde ist, dass der Film nie ins Horror- und Splattermäßige abgleitet. Das Grausame wird eher angedeutet und es ist der Phantasie des Zuschauers überlassen, die Lücken zu füllen.

Man kann nun sagen: das war vor vierhundert Jahren, die Menschen wussten es damals nicht besser (z.B. dass das Blut von Jungfrauen nicht schön macht) – aber der Film spricht durchaus aktuelle Themen an, z.B. den Platz der Frau in der Gesellschaft. Auch heute noch haben es mächtige, reiche und schöne Frauen schwer, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen, vor allem auch dann, wenn sie lieben und geliebt werden wollen. Ein anderes Thema ist der Schönheitswahn, für den Erzsébet Báthory buchstäblich über Leichen ging, der aber auch heute noch ein sehr großes Thema ist.

Julie Delpy, die nicht nur das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Musik komponierte, sondern auch die Hauptrolle spielt, ist mit diesem Film ein Meisterwerk gelungen. Die anderen Hauptrollen werden von William Hurt (György Thurzó) und Daniel Brühl (István Thurzó) gespielt. Ich finde den Film sehenswert und gebe folgendes Rating:

4 Sterne

Information zu dem Film:

Weitere Information:

Amazon Link zu dem Film:

Bücher zu Erzsébet Báthory:

 

Buchcover von Simone de Beauvoir : ein Lesebuch mit Bildern

Alice Schwarzer hat zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir mit diesem Buch wichtige Texte de Beauvoirs zusammengestellt. So bekommen wir nicht nur einen Einblick in das Leben, sondern auch in das Denken und Schreiben der bekannten französischen Autorin und Feministin. Auszüge aus den Romanen, Memoiren, Essays und Briefen schildern das Werden und Leben, ihre Arbeit und die Beziehung zu Sartre und anderen Männern und Frauen.

Simone de Beauvoirs Texte zeichnen sich durch ein klares Denken und Schreiben aus. Sie sprach in den 50ern und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts Themen, vor allem in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, an, die immer noch aktuell sind, die immer noch gelesen werden können, ja müssen.

Auf dem Rückumschlag schreibt Alice Schwarzer: “Simone de Beauvoir lesen. Simone de Beauvoir wieder lesen. Selbst ich, die ich relativ vertraut bin mit ihrem Werk, entdecke dabei jedes Mal Neues, Überraschendes. Immer wieder hingerissen bin ich von der Klarheit ihres Denkens, der Unteilbarkeit ihres Gerechtigkeitssinns und der Kühnheit ihrer Visionen in den politischen Essays, allen voran ‘Das andere Geschlecht’.” Diese Einschätzung Schwarzers teile ich. Das Buch weckt das Interesse nach mehr. So steht nun das andere Geschlecht auf meiner Leseliste, zusammen mit anderen feministischen Texten.

Mehr Information zum Buch im WorldCat: http://www.worldcat.org/oclc/199204524
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