Coming Out to Truth – 1 Korinther 6:9+10 und 1 Timotheus 1:9+10: Sind Weichlinge homosexuell?
Diese Texte sind im Englischen mehr verwirrend als im Deutschen.
1 Korinther 6:9+10
Oder wisst ihr nicht, das Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Wollüstlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.
1 Timotheus 1:9+10
… dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widersprenstige, für Gottlose und Sünder, für Heillose und Unheilige, Vatermörder und Muttermörder, Mörder, Unzüchtige, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige, und wenn etwas anderes der gesunden Lehre entgegen steht.
Das Wort, welches in 1 Kor. 6 als “Wollüstlinge” übersetzt wurde, heisst in der englischen King James Bibel “Homosexuals” (griechisch: “Malakee”). Das Wort “Knabenschänder” ist eine Übersetzung von “Arsenokoitai”.
Die katholische Kirche (1986) interpretiert 1 Korinther 6 dass Schwule oder Lesben das Königreich Gottes nicht betreten dürfen. 1 Tim. 1 verurteilt Homosexualität als Sünde.
Die lutherische Kirche der USA dagegen sagt, dass die Bedeutung dieser Worte unklar sei. Es handelt sich vielleicht um Päderastie. Man darf lesbische oder schwule Handlungen als Teil einer hingegebenen, liebenden Beziehung nicht auf Grund dieser Texte verurteilen.
Die meisten Bibelkenner machen keine Bemerkung zu diesen Worten. Nur Bruce (1971), Harrisville (1987), Morris (1985) und Watson (1992) sind der Meinung, dass es sich bei Malakoi und Arsenokoitai um die aktiven und passiven Partner bei schwulen Sex handelt. Fee (1987) sagt, dass man nicht mit Sicherheit diese Worte mit Homosexualität übersetzen kann. Dann meint er aber, dass die beiden Worte zusammenstehend schon die beiden Partner einer päderastischen Beziehung bezeichnen könnten. In 1 Tim. wird allerdings nur Arsenokoitai gebraucht und ist sein Argument darum dort nicht gültig.
Diese Übersetzung und Interpretation dass “malakoi” und “arsenokoitai” von Homosexualität spricht, ist keineswegs klar aus dem griechischen Originaltext. Das Wort “malakoi” wurde anderswo im Neuen Testament als “weich,” “fein,” “kränklich”, “flüssig”, “feige”, “zart”, “sanft” oder “ausschweifend” übersetzt. Ganz allgemein kann man es vielleicht als “ungezügelt” oder “schwelgerisch” übersetzen. Anderswo wird es gebraucht für Menschen, die keine Disziplin haben oder moralisch schwach sind. Es wurde nirgends in sexuellen Kontext gebraucht. Vielleicht wäre “Weichling” oder “Waschlappen” eine bessere Bedeutung. Es bedeutet eher die Unfähigkeit zu moralischer Integrität und Selbstkontrolle. Schwule Männer mögen vielleicht manchmal weich oder fein sein, aber nicht alle. Viele heterosexuelle Männer sind es auch. Diese Begriffe treffen keinesfalls nur auf Schwule zu und es ist darum falsch, dass Wort mit “homosexuell” zu übersetzen.
Jahrhundertelang wurde das Wort “malakoi” mit Masturbation übersetzt. Dann, als Masturbation nicht mehr als so grosse Sünde, dass man deswegen das Reich Gottes erben konnte, angesehen wurde, wurde es plötzlich mit Homosexualität gleichgestellt. In Wirklichkeit weiss niemand genau was Paulus mit dem Wort meinte.
Homosexualität war im antiken Griechenland bekannt und praktiziert. Es fehlte nicht an Worten für schwulen Geschlechtsverkehr. Dies war nicht ein solches Wort.
Im weiteren Kontext von 1 Korinther wissen wir, dass Paulus sich Sorgen machte über Tempelprostitution.
In 1 Kor. 6 und 1 Tim. 1 wurde das Wort arsenokoitai als “Knabenschänder” (d.h. Päderast) im Englischen als “sodomite” übersetzt. Sodomite ist ein Wort, welches öfters für Schwule gebraucht wird. “Arsenokoitai” ist eine Zusammensetzung aus zwei Worten, die “Mann” und “Bett” bedeuten. Das Wort Bett war oft ein beschönigender Ausdruck für Geschlechtsverkehr. Die Verbindung mit “Mann” ist allerdings nicht klar. Ist “Mann” das Subjekt oder das Objekt? Paulus war der erste, der diesen Ausdruck benutzte und er kommt sehr selten in der griechischen Literatur vor. Später wurde das Wort gebraucht für Prostituierte die in hetero- und homosexueller Kultprostitution engagiert waren. Selbst wenn dieses Wort von schwulen Geschlechtsverkehr spricht, weiss man nicht von welchen. Päderastie? Kultprostitution? Vergewaltigung von Sklaven? Dies waren die homosexuellen Beziehungen der griechisch-römischen Kultur. Eine liebende schwule Beziehung? Diese war in der griechisch-römischen Kultur fast unbekannt.
Solange man nicht mit Sicherheit weiss, was die Worte bedeuten, sollte man diese Verse nicht als biblisches Argument gegen Homosexualität gebrauchen.
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22. Mai 1998

