Coming Out to Truth – Psychologie und Homosexualität

 

Das folgende ist eine Übersetzung einer Veröffentlichung der American Psychological Association. Die APA ist die größte Organisation in Amerika, die Psychologie repräsentiert. Sie hat mehr als 132 000 Mitglieder und ist auch die größte Organisation ihrer Art in der Welt.


Was ist sexuelle Orientierung?


Sexuelle Orientierung ist eines der vier Bestandteile von Sexualität und wird definiert als eine lang dauernde emotionelle, romantische, sexuelle oder liebevolle Anziehung zu Personen eines bestimmten Geschlechts. Die drei anderen Bestandteile von Sexualität sind biologisches Geschlecht, Geschlechtsidentität (psychologische Richtung) und Sozialgeschlechtsrolle (das Nachfolgen kultureller Normen von männlich- und weiblich sein). Drei sexuelle Orientierungen werden normalerweise erkannt: Homosexualität (Anziehung zu Personen gleichen Geschlechts), Heterosexualität (Anziehung zu Personen des anderen Geschlechts) und Bisexualität (Anziehung zu Personen beider Geschlechter). Homosexuelle werden auch gay (beide Männer und Frauen), schwul (Männer) oder lesbisch (Frauen) genannt.


Sexuelle Orientierung muss von sexuellen Verhalten unterschieden werden. Orientierung hat mit Emotionen und Selbstwahrnehmung zu tun. Eine Person kann, braucht aber nicht ihre Orientierung in ihrem Verhalten ausdrücken.


Was verursacht eine bestimmte sexuelle Orientierung?


Wie sich sexuelle Orientierung in einer Person entwickelt wird noch nicht von Wissenschaftlern verstanden. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursprünge von Sexualität wie z.B. genetische oder hormonelle Faktoren oder Kindheitserfahrungen. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass sexuelle Orientierung für die meisten Menschen in einem sehr frühen Alter durch komplizierte biologische, psychologische und Sozialfaktoren geformt wird.


Ist sexuelle Orientierung eine Wahl?


Nein. Sexuelle Orientierung wird für die meisten Menschen während der Adoleszenz definierbar ohne dass vorher sexuelle Erfahrungen gemacht wurden. Viele Menschen berichten, dass sie erfolglos ihre sexuelle Orientierung verändern wollten. Aus diesen Gründen meinen Psychologen dass sexuelle Orientierung keine Wahl ist und nicht freiwillig geändert werden kann.


Ist Homosexualität eine Geisteskrankheit oder emotionelles Problem?


Nein. Psychologen, Psychiater und andere Mediziner stimmen überein, dass Homosexualität keine Krankheit, Geistesstörung oder emotionelles Problem ist. Ausführliche Forschungen während der letzten 35 Jahre haben gezeigt, dass sich Homosexualität nicht auf emotionelle oder soziale Probleme bezieht.


In der Vergangenheit wurde Homosexualität als Geisteskrankheit angesehen. Der Grund dafür war, dass sich Forscher nur mit Schwulen und Lesben in Therapie beschäftigten. Erst als Forschungen mit Schwulen und Lesben außerhalb von psychologischer Therapie getan wurde, stellte es sich heraus, dass sie genauso “normal” wie alle anderen Menschen sind.


1973 bestätigte die American Psychiatric Association diese Forschungen indem sie Homosexualität aus dem Handbuch über Geisteskrankheiten strich. 1975 bestätigte die American Psychological Association diesen Schritt. Beide Verbindungen drängen alle Psychiater, Psychologen und Mediziner das Stigma über Homosexualität abzubauen zu helfen. Spätere Forschung hat bestätigt dass der Schritt der beiden Verbindungen ein richtiger war.


Können Schwule und Lesben gute Eltern sein?


Ja. Studien, die Kinder mit homosexuellen Eltern und heterosexuellen Eltern verglichen, haben erwiesen, dass sich die Kinder was Intelligenz, psychologischer Anpassung und sozialer Anpassung, Popularität unter Freunden, Entwicklung sozialer Geschlechterrollen und sexuelle Orientierung betrifft, nicht unterscheiden.


Ein anderes Vorurteil über homosexuelle Männer, nämlich dass sie mehr zu Kindermißhandlung neigen, wurde auch als unwahr erwiesen.


Warum reden Schwule und Lesben mit anderen Menschen über ihre sexuelle Orientierung?


Weil das Mitteilen ihrer sexuellen Orientierung wichtig ist für ihre geistige Gesundheit. Es hat sich herausgestellt, dass in dem Prozess der Verarbeitung der sexuellen Orientierung das Coming-out ein sehr wichtiger Schritt ist. Es hat viel mit psychologischer Anpassung zu tun. Je positiver die schwule oder lesbische Identität wahrgenommen wird, desto besser ist die geistige Gesundheit und desto höher ist das Selbstwertgefühl der Person.


Warum ist das Coming-out für viele Schwule und Lesben so schwierig?


Wegen des falschen Stereotypes und der Vorurteile der Gesellschaft über Homosexualität kann das Coming-out für schwule und Lesben ein sehr schwerer Schritt sein, der viel emotionellen Schmerz verursachen kann. Lesben und Schwule fühlen sich oft zuerst sehr einsam wenn sich ihnen ihre sexuelle Orientierung bewusst wird. Oft fürchten sie sich auch dass sie von Familie, Freunden, Mitarbeitern und Gemeinden ausgestoßen werden.


Oft wird auch gegen Lesben und Schwule diskriminiert oder gewalttätig vorgegangen. Diese Bedrohung von Gewalttätigkeit und Diskriminierung ist ein Hindernis in der Entwicklung homosexueller Menschen. 1989 berichteten 5% schwuler Männer und 10% lesbischer Frauen von körperlicher Gewalttätigkeit während des vergangenen Jahres ihnen gegenüber. 47% berichteten dass sie während ihres Lebens irgendwann mal diskriminiert wurden. Andere Umfragen haben diese Prozentsätze bestätigt.


Wie kann man Schwulen und Lesben helfen gegen Gewalttätigkeit und Diskriminierung zu kämpfen?


Die Menschen, die die positivste Haltung Lesben und Schwuler gegenüber haben, sind solche die sagen, dass sie eine homosexuelle Person gut kennen. Darum glauben Psychologen, dass es sich bei negativen Haltung um Vorurteile handelt, Vorurteile, die nicht in der Wirklichkeit gegründet sind.


Genau wie bei anderen Minderheiten ist Schutz vor Diskriminierung und Gewalttätigkeit wichtig. Einige amerikanische Staaten haben Gesetze die Lesben und Schwule vor “Hate crimes” schützen.


Kann Psychotherapie sexuelle Orientierung ändern?


Nein. Obwohl Homosexualität keine Geisteskrankheit ist und es keinen wissenschaftlichen Grund für eine Änderung der sexuellen Orientierung gibt, wollen manche Schwule und Lesben doch ihre Orientierung verändern. Es gibt Psychologen die meinen, dass sie die sexuelle Orientierung ihrer Klienten verändert haben. Aber genauere Untersuchung ihrer Berichte lässt Zweifel aufkommen. Viele Berichte von Veränderung kommen von Organisationen mit starker ideologischer Perspektive und nicht von Psychiatern oder Psychologen. Oft wurde die Behandlung auch ungenügend dokumentiert und oft ist auch die Zeitspanne zwischen Behandlung und Berichterstattung zu kurz um zu befriedigenden Schlüssen kommen zu können.


1990 sagte die American Psychological Association dass Versuche der Veränderung wissenschaftlich unhaltbar seien und mehr Schaden als Nutzen zur Folge haben können. Veränderung von sexueller Orientierung ist mehr als Änderung sexuellen Verhaltens. Veränderung sexueller Orientierung bedeutet Veränderung emotioneller, romantischer und sexueller Gefühle und die Umstrukturierung des Selbstkonzepts und der sozialen Identität. Einige Psychologen und Psychiater versuchen eine solche Therapie vorzunehmen, aber viele ihrer Kollegen hinterfragen die Ethik einer Therapie die eine Eigenschaft, die keine Geisteskrankheit ist, zu verändern versucht.


Nicht alle Schwule und Lesben die Therapie suchen wollen ihre sexuelle Orientierung verändern. Sie können Probleme wie alle anderen Menschen auch haben oder suchen Beratung für ihr Coming-out.


Warum ist es für die Gesellschaft wichtig über Homosexualität aufgeklärt zu werden?


Die Aufklärung aller Menschen über Homosexualität baut Vorurteile gegenüber Lesben und Schwule ab. Genaue Informationen sind vor allem für junge Menschen wichtig, die sich nicht sicher sind über ihre Sexualität und deshalb viele Fragen haben. Befürchtungen dass die Information die sexuelle Orientierung eines Menschen beeinflussen sind unbegründet.


Home | Zurück zu “Fakten über Homosexualität” | Nächste Seite

22. Mai 1998

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeigen:

© 2012 Mein Leben und ich Suffusion theme by Sayontan Sinha